SABINE VOGEL

Ich arbeite als bildende Künstlerin an figürlichen Arbeiten, die einer eigenständigen Welt entstammen – der Welt der kleinen Leute. Diese Welt ist der unseren ähnlich, folgt jedoch ihren eigenen inneren Gesetzmäßigkeiten. Die von mir geschaffenen Wesen sind nicht als Objekte gedacht, sondern als Gegenüber mit eigener Präsenz, Geschichte und Beziehung zueinander.

Meine Arbeit bewegt sich an der Schwelle zwischen ihrer und unserer Welt. Sie macht diese Schwelle sichtbar, ohne sie aufzulösen. Die Figuren entstehen nicht als Abbild oder Illustration, sondern als Teil eines größeren Zusammenhangs, der sich erst im genauen Hinsehen erschließt.

Schon früh hat mich die menschliche Gestalt beschäftigt. Seit den frühen 1990er-Jahren arbeite ich kontinuierlich an figürlichen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten. Über viele Jahre hinweg habe ich Materialien, Techniken und Proportionen erforscht, um eine eigene Formensprache zu entwickeln, die Nähe zulässt, ohne ins Dekorative zu kippen.

Der handwerkliche Prozess ist für mich kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für künstlerische Freiheit. Jede Arbeit entsteht vollständig in meiner Hand – von der Modellierung über die Ausarbeitung bis zur finalen Erscheinung. Die technische Beherrschung dient dabei der Präsenz der Figur, nicht ihrer Zurschaustellung.

Meine Arbeiten sind beweglich, jedoch nicht, um Funktion zu demonstrieren, sondern um Lebendigkeit anzudeuten. Bewegung ist Teil der Wahrnehmung, nicht der Inszenierung. Der Werkstoff tritt bewusst in den Hintergrund zugunsten dessen, was zwischen Betrachterin oder Betrachter und Figur entsteht.

Neben der plastischen Arbeit entwickle ich eine fortlaufende Erzählwelt, in der die kleinen Leute als eigenständige Gesellschaft existieren. Diese narrative Ebene ist integraler Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit und erweitert sie um zeitliche und psychologische Dimensionen.

Meine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter fünfmal mit dem Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis. Zudem wurden sie in Ausstellungen sowie im musealen Kontext gezeigt, unter anderem im Neuen Museum Berlin und im Lebensspuren Museum Wels.